Samstag, 20. August 2016


Ungarn, Csempeszkopács (Westtransdanubien):
Kirche St. Michael, Mitte 13. Jhdt.



Dieses bemerkenswerte Kirchlein befindet sich
auf einem kleinen künstlichen Hügel
im ehemaligen Ortsteil Csempeszháza,
der später mit Kopács zum heutigen Csempeszkopács fusionierte.



Der Hügel war früher auch Friedhof.

Ein kleiner See, der im 19 Jhdt. in der Nähe ausgehoben wurde,
ist mittlerweile wieder zugeschüttet.



Dieses Gebiet war bereits während der Römerzeit besiedelt
wie im Boden gefundene Grabsteinfragmente beweisen.

So sind in der Kirche auch zum Teil römische Ziegel verbaut.



Die mehr als halbrunde Apsis ...



... weist nur ein kleines Fenster auf, ...



... hat dafür aber noch ein gut erhaltenes Fries ...



... dessen alte Bemalung zum Großteil noch erhalten ist.



Hier das schmale Lanzettfenster aus der Nähe.



Die noch größere Überraschung wartet auf der Südseite:

Neben zwei Rundbogenfenstern 
ist auch noch ein altes romanisches Portal zu sehen.



St. Michael besteht 
- wie viele westungarische Landkirchen der damaligen Zeit -
aus einer Ostapsis, einem kleinen Langhaus und einem Westturm.



Erstmals ist es 1273 urkundlich erwähnt worden.



Ab dem 16. Jhdt. war es vorübergehend protestantisch,
  1664 wurde es den Katholiken wieder zurückgegeben.



Das schöne Südportal hat einen Dreiecksgiebel darüber
sowie zwei zackige korinthische Säulen an den Seiten.

Man vermutet, dass hier derselbe Steinmetz am Werk war
wie im nahen Ják.



Die Kapitelle ...



... zeigen auf beiden Seiten ...


 


 
 
... äußerst dekorative Verzierungen.



Im Tympanon ist das Agnus Dei zu sehen
verziert mit zwei Tauben und Pflanzenranken.

Schade ist nur, dass alles nicht mehr original,
sondern schon eine Replika zu sein scheint:

Die Originale sind wahrscheinlich
in irgendeinem Museum gelandet.



Dafür sind die zwei kleinen romanischen Fenster ...



... sowie das Rundbogenfries darüber
sicher noch der Ursprungszeit zuzurechnen.



Auffällig ist der glatte, unverzierte Turm ...



... mit seinen zwei Reihen an Biforien,
wobei die unteren Fenster höher sind als die oberen.



Der Kirchturm wurde erst einige Zeit später angebaut.



An der Ostseite (hier nur rechts im Bild)
scheint das Fenster teilweise vermauert worden zu sein.





Die Nordseite des kompakten Langhauses ist fensterlos, ...



... dafür aber mit demselben Fries geschmückt wie die Apsis.




Auch innen wirkt St. Michael sehr kompakt.



Hier sind noch Freskenfragmente
aus dem Ende des 13. Jhdts. erhalten, ...


... die Apostelfiguren darstellen 
(s. hinter dem Kreuz rechts an der Wand).



Die Apsiskalotte allerdings wurde 1658 mit drei göttlichen Tugenden,
der Triumphbogen in der Renaissance mit dekorativen Motiven ausgemalt.



Der spätbarocke Altar zeigt die Hl. Familie,
 ein Gemälde von Stephen Dorfmeister.



An der südlichen Langhauswand sind
weitere barocke Wandmalereien aus 1658 zu finden.



Auch die Westseite und ihre Empore weist florale Schmuck auf.



Die Kirche ist von 1966 - 1968 unter der Leitung 
von Ferenc Mendele restauriert worden.
 



Absolut sehenswert!









 

Donnerstag, 18. August 2016


Ungarn, Pápoc (Westtransdanubien):
Kapelle Maria Schnee, 12. Jhdt.



Diese alte Rotunde ist nordöstlich von Szombathely ...



... im Straßendorf Pápoc zu finden.

Sie gehörte früher zu einem Augustinerkloster,
das wahrscheinlich gleich daran anschloss, 
und wurde als St. Michaels-Kapelle bezeichnet.



Ab 1698 wurde sie nicht mehr gebraucht
und später als Rauchküche verwendet, 
1762 war laut einem Besuchsbericht
innen der Altar aus rotem Marmor noch intakt.



Maria Schnee ging aus einer Rotunde hervor,
die die Form eines vierblättrigen Kleeblatts
 mit 9 m Durchmesser und 1 m Wandstärke hat.



Einige romanische Elemente sind noch erhalten
wie das Biforium im Obergeschoß und das Portal.



Darüber sitzt eine achteckige Kuppel 
mit einem kleinen, später aufgesetzten Zwiebelturm.



Die Dächer sind mit Holzschindeln gedeckt.



Beim Biforium sind nur noch einige
Elemente des Fensterrahmens erhalten,
die Mittelsäule gibt es nicht mehr.



Interessanter Weise ist darunter dieser Stein ausgespart,
warum, wird nicht wirklich klar.



Auch an der Westseite der Kapelle ...



... ist im Obergeschoß ...



... noch der Steinrahmen eines Biforiums zu sehen.



Darunter sind noch die Reste ...


 
... eines Westportals erkennbar, ...



... das merkwürdiger Weise
noch einen zweiten Bogen darüber aufweist.



Diese Türöffnung ist bereits vermauert, ...



... während das romanische Südportal noch gut erhalten ist.



Schön sind diese integrierten Säulen aus rotem Marmor,
die zum Teil nachträglich wieder eingefügt werden mussten.



Auch die Säulenkapitelle sind nicht mehr original,
doch diesen wohl nachgebildet.



 Gut angepasst sind auch die drei Stufen,
die in die Kapelle führen.




 Innen ist die Kapelle schlicht gehalten:


 
Ihre größte Zierde ist die bunte Bemalung ...


 
... der Rippen des Kreuzgewölbes.



Diese zieht sich bis in die kleine Ostapsis.



An der Ostwand ist im Obergeschoß ...



... noch ein Steinbogen 
eines romanischen Lanzettfensters erhalten.



Im Norden schließt nach wie vor ...



... ein längerer Gebäudekomplex an, ...



... der gerade renoviert wird ...



... und seiner neuen Bestimmung entgegensieht.



Wahrscheinlich handelt es sich dabei
noch um einen alten Trakt des früheren Augustinerklosters.



 Maria Schnee erinnert in seiner Bauwese und Zweigeschoßigkeit
an die Rotunde im nahen Ják, obwohl diese nur dreiblättrig ist.





Sehenswert!